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Inhalt....: Der Münzwurf und das Schwache Gesetz der großen Zahl

Kategorie.: Arbeitsblatt

Mathematik: Stochastik, Statistik

MuPAD.....: 3.1.1

Datum.....: 2005-06-24

Autoren...: Susanne Koch <skoch@math.uni-goettingen.de>

Autoren...: Anke Kusterer <kusterer@math.uni-goettingen.de>

Autoren...: Anna Lena Stahr <annalena.stahr@web.de>

Funktionen: combinat::cartesianProduct::list, binomial, ceil, trunc, union

Funktionen: plot::Polygon2d

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Der Münzwurf und das

Schwache Gesetz der großen Zahl

 

 

Dieses Notebook ist als Erweiterung zu den Notebooks

                  

      Würfelsimulation und relative Häufigkeit  und Analyse von Würfelexperimenten

 

aus dem Handwerkskasten zu verstehen. Wir wollen das Schwache Gesetz der

großen Zahl anhand des Münzwurfexperiments studieren. Dazu werden wir uns

eingehender mit dem Wahrscheinlichkeitsraum für den n-fachen Münzwurf

beschäftigen, d.h. wir werden uns überlegen, welche Ergebnisse bei diesem

Zufallsexperiment mit jeweils welcher Wahrscheinlichkeit auftreten können.    

 

Bereits im Notebook Würfelsimulation und relative Häufigkeit wurde

folgender grundlegende Satz der Stochastik zitiert:

 

          Satz:

          Mit zunehmender Versuchsanzahl stabilisiert sich in einem

          Laplace-Experiment die relative Häufigkeit des betrachteten

          Ereignisses um einen festen Wert, seine Wahrscheinlichkeit.

 

Dabei zeichnen sich Laplace-Experimente genau dadaurch aus, dass

jeder mögliche Versuchsausgang mit der gleichen Wahrscheinlichkeit

eintritt. Als Beispiele seien zunächst der einfache Wurf mit einem fairen

Würfel oder mit einer fairen Münze genannt. Oben zitierter Satz ist ein

Spezialfall des sogenannten Schwachen Gesetzes der großen Zahl, eines

der wichtigsten Sätze in der elementaren Wahrscheinlichkeitstheorie.

 

Im Folgenden wollen wir uns auf Münzwurfexperimente konzentrieren: Wird

die Münze nur einmal geworfen, so kann man sich für die Ereignisse "Es

fällt Zahl" oder "Es fällt Wappen" interessieren (für Fußballspieler

beispielsweise ist dieses Experiment relevant; bestimmt der Ausgang doch

darüber, welches Team in der ersten Halbzeit den Anstoß hat). Im Fall einer

fairen Münze sind diese beiden Ereignisse gleichwahrscheinlich, sie treten

jeweils mit Wahrscheinlichkeit 1/2 ein. Daher werden wir uns im Folgenden

auf die Betrachtung eines dieser beiden Ereignisse, nämlich auf "Es fällt

Wappen", beschränken. Für diesen Spezialfall können wir den Satz also wie

folgt formulieren:

 

          Folgerung:

          Mit zunehmender Anzahl an Münzwürfen stabilisiert sich die

          relative Häufigkeit des Auftretens von Wappen um den Wert 1/2.

 

In den Notebooks Würfelsimulation und relative Häufigkeit  und Analyse

von Würfelexperimenten wurde jeweils anhand des Würfelwurfes (!) 

untersucht, wie sich die relative Häufigkeit des Auftretens einer bestimmten

Augenzahl für eine  - von MuPAD zufällig generierte - Folge von n

Würfelwürfen der Wahrscheinlichkeit 1/6 annähert, wenn n wächst.

Analog könnte man mit vergleichbaren Prozeduren untersuchen, wie sich die

relative Häufigkeit des Auftretens von Wappen für eine - von MuPAD zufällig

generierte - Folge von Münzwürfen der Wahrscheinlichkeit 1/2 annähert.

Dabei würde man vor allem folgende Beobachtung machen können:

Es gibt Wurffolgen, bei denen sich die relative Häufigkeit des Auftretens von

Wappen nicht um den Wert 1/2 stabilisiert. Im Fall von Versuchsausgängen

der Bauart (Zahl, Zahl, Zahl, Zahl, ....., Zahl, Zahl) beispielsweise ist die

relative Häufigkeit des Auftretens von Wappen immer 0, unabhängig davon,

wie oft hier genau Zahl geworfen wurde.

 

Wieso ist dann der oben zitierte Satz bzw. seine Folgerung dennoch

richtig?

 

Wir müssen uns Gedanken darüber machen, was unter dem Begriff

"stabilisieren" genau zu verstehen ist. Denn offensichtlich hängt die relative

Häufigkeit des Auftretens von Wappen nach n Würfen ja ganz entscheidend

von den bis dahin gefallenen Würfen ab, sie ist nicht für alle Wurffolgen

gleich! Unser Ziel wird es daher zunächst einmal sein, uns zu überlegen,

(1.) welche möglichen Ergebnisse nach n Münzwürfen auftreten können

                und

(2.) welche Wahrscheinlichkeiten sie jeweils haben.

(Dies kommt der Bestimmung des Wahrscheinlichkeitsraumes für den

n-fachen Münzwurf gleich.)

 

Wir fangen mit dem einfachen Fall n=2 an: Besteht das Zufallsexperiment im 

zweifachen Werfen einer fairen Münze, so sind folgende Versuchsausgänge

möglich:

 

1. Wurf Zahl, 2. Wurf Zahl                         

1. Wurf Zahl, 2. Wurf Wappen                  

1. Wurf Wappen, 2. Wurf Zahl                  

1. Wurf Wappen, 2. Wurf Wappen           

 

Der Fairness der Münze entsprechend ist jedes Ergebnis

gleichwahrscheinlich, d.h. jede dieser vier Möglichkeiten tritt mit

Wahrscheinlichkeit 1/4 ein. (Auch der zweifache Münzwurf ist also ein

Laplace-Experiment.)

 

Analog überlegt man sich nun, dass im Fall der n-fachen Wiederholung des

Münzwurfes (hierbei sei n eine beliebige natürliche Zahl) genau 2n

verschiedene Versuchsausgänge möglich sind: Jeder Ausgang kann

durch eine Folge von n Symbolen, wobei jedes dieser Symbole entweder

W (für Wappen) oder Z (für Zahl) ist, angegeben werden. Demnach steht die

Liste [W,W,Z,Z,W] für einen fünffachen Münzwurf, in dem zunächst zweimal

Wappen, dann zweimal Zahl und dann noch einmal Wappen gefallen ist.

Der Fairness der Münze entsprechend tritt jede der 2n Folgen mit

der Wahrscheinlichkeit 1/2n auf. (Für jedes natürliche n ist also der n-fache

Münzwurf ein Laplace-Experiment!)

 

MuPAD bietet eine komfortable Möglichkeit, alle Ausgänge des n-fachen

Münzwurfexperimentes zu erhalten: Dazu greifen wir auf die MuPAD-Bibliothek

combinat::cartesianProduct zurück. Die Methode list gibt uns nämlich gerade

eine Liste aller möglichen Ausgänge des n-fachen Münzwurfes, sofern wir sie

auf das n-fache kartesische Produkt der Menge {0,1} anwenden. Um n - die

Anzahl der Wiederholungen des einfachen Münzwurfes - nicht festlegen zu

müssen, schreiben wir die kurze Prozedur Ausgaenge, die diese Anzahl n als

Argument übergeben bekommt:

 

Ausgaenge:=proc(n)

  begin

    combinat::cartesianProduct::list({W,Z} $ n)

  end_proc:

 

Wie oben schon dargelegt, bekommt man für den zweifachen Münzwurf

dann also die folgenden vier Ausgänge:

 

Ausgaenge(2)

math

Für den fünffachen Münzwurf sind unseren obigen Überlegungen

entsprechend bereits  32=25 Ausgänge möglich. Jeder tritt mit

Wahrscheinlichkeit 1/25 ein. Im Einzelnen sind es die folgenden:

 

Ausgaenge(5)

math

 

Um die Aussage der oben formulierten Folgerung zu verstehen, wollen wir uns

nun ein symmetrisches Intervall Int_a:=[1/2-a,1/2+a] der Länge 2a um den

Wert 1/2 (das ist gerade die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Wappen

im einfachen Münzwurf!) vorgeben und uns überlegen, für welche der 2n

möglichen Versuchsausgänge im n-fachen Münzwurfexperiment die relative

Häufigkeit von Wappen nicht in diesem Intervall Int_a liegt; derartige

Versuchsausgänge wollen wir zukünftig als Ausnahmefolgen (der Länge n)

bezeichnen. Anders ausgedrückt lautet unsere zu beantwortende Frage also

wie folgt:

 

Frage:

Wie groß ist für fest vorgegebene Werte von n und a die Anzahl der

Ausnahmefolgen?

 

Wir müssen zunächst ein bisschen rechnen: Für einen beliebigen, aber fest

gewählten Versuchsausgang L des n-fachen Münzwurfexperiments sei k(L)

die Anzahl von Wappen. Dann ist L eine Ausnahmefolge, wenn k(L)/n nicht zu

Int_a gehört, also |k(L)/n-1/2| >a ist. Dies ist aber genau dann der Fall, wenn

entweder

(a) k(L)<(1/2-a)*n oder

(b) k(L)>(1/2+a)*n

ist. Selbstverständlich ist k(L) mindestens 0 und höchstens n. Damit gibt es

zwei Sorten von Ausnahmefolgen: Zum einen die, in denen die Gesamtzahl

k(L) von Wappen zwischen 0 und (1/2-a)*n liegt (dabei darf der größere Wert

gemäß (a) nicht angenommen werden) - hier hat man sozusagen "zu wenig

Wappen" - und zum anderen die, in denen die Gesamtzahl k(L) von Wappen

zwischen (1/2+a)*n und n liegt (hierbei darf der kleinere Wert gemäß (b) nicht

angenommen werden) - hier hat man sozusagen "zu viel Wappen".

Auf der Grundlage dieser Überlegung schreiben wir jetzt eine Prozedur

anz_wappen_in_ausnahmefolgen, die uns - in Abhängigkeit der Argumente n

und a - berechnet, für welche Gesamtanzahlen k(L) von Wappen ein

Versuchsausgang L eine Ausnahmefolge der Länge n im oben definierten

Sinne ist: Der Rückgabewert der Prozedur ist also die Vereinigung der beiden

eben beschriebenen Mengen. Um den Forderungen (a) und (b) gerecht zu

werden, verwenden wir die MuPAD-eigenen Funktionen ceil (zum Aufrunden)

und trunc (zum Abrunden).

 

anz_wappen_in_ausnahmefolgen:=proc(n,a)

  local i,j,A1,A2;

  begin

    A1:={i $ i=0..ceil((1/2-a)*n)-1}; // "zu wenig Wappen"

    A2:={j $ j=trunc((a+1/2)*n)+1..n};// "zu viel Wappen"

    return(A1 union A2)

  end_proc:

 

Nehmen wir uns nun den fünffachen Münzwurf vor, so liegt die relative

Häufigkeit von Wappen in einer Wurffolge also außerhalb des Intervalls

[1/4,3/4], falls...

 

anz_wappen_in_ausnahmefolgen(5,1/4)

math

... die Wurffolge 0,1,4 oder 5 Wappen enthält.

 

Beim zehnfachen Münzwurf liegt die relative Häufigkeit von Wappen in einer

Wurffolge außerhalb des Intervalls [1/4,3/4], falls

 

anz_wappen_in_ausnahmefolgen(10,1/4)

math

 

... die Wurffolge 0,1,2,8,9 oder 10 Wappen enthält.

 

Es ist zu erwarten, dass die Anzahl der Ausnahmefolgen wächst, wenn wir

dieIntervalllänge verringern. So liegt zum Beispiel die relative Häufigkeit von

Wappen in einer Wurffolge außerhalb des kürzeren Intervalls [3/8,5/8], falls...

 

anz_wappen_in_ausnahmefolgen(10,1/8)

math

.. die Wurffolge nicht 4,5, oder 6 Wappen enthält.

 

Bezeichnet man alle Versuchsfolgen, für die die relative Häufigkeit von

Wappen nicht genau 1/2 ist, als Ausnahmefolgen (dies entspricht dem Fall

a=0), so sind dies natürlich genau alle diejenigen Folgen, in denen nicht

genau fünfmal Wappen fällt:   

 

anz_wappen_in_ausnahmefolgen(10,0)

math

Halten wir fest: Für festes n ist die Anzahl der Ausnahmefolgen umso

größer, je kleiner a ist.

Die Antwort auf die oben gestellte Frage steht aber nach wie vor aus: Dort

hatten wir gefragt, wie groß für fest vorgegebene Werte von n und a die

Anzahl der Ausnahmefolgen ist?

 

Dazu überlegen wir uns folgendes: Die Ausnahmefolgen sind ja gerade

diejenigen Versuchsfolgen, in denen die absolute Anzahl von Wappen der

Menge anz_wappen_in_ausnahmefolgen(n,a) entstammt.

Nun gibt es image Möglichkeiten, k Wappen in einer Wurffolge von n Münzwürfen

zu platzieren. (Um diesen Ausdruck zu berechnen, stellt MuPAD die Funktion

binomial(n,k) zur Verfügung.) Also brauchen wir nur die Anzahlen image

aufzusummieren, wobei wir k durch die Menge

anz_wappen_in_ausnahmefolgen(n,a) laufen lassen müssen.

Dies geschieht in der nachfolgenden Prozedur anz_ausnahmefolgen, die

als Argumente wieder die Versuchsanzahl n und die halbe Intervalllänge a

übergeben bekommt. Ihr Rückgabewert ist die gesuchte Anzahl von

Ausnahmefolgen der Länge n, also die Anzahl von Versuchsfolgen, in

denen die relative Häufigkeit von Wappen nicht im Intervall [1/2-a,1/2+a]

liegt.

 

anz_ausnahmefolgen:=proc(n,a)

  local b,k;

  begin

    b:=_plus(binomial(n,k) $ k in anz_wappen_in_ausnahmefolgen(n,a));

    return(b)

  end_proc:

 

 

Für die obigen Beispiele erhalten wir für die Anzahlen der Ausnahmefolgen also

folgende Werte:

 

anz_ausnahmefolgen(5,1/4)

math

anz_ausnahmefolgen(10,1/4);

anz_ausnahmefolgen(10,1/8);

anz_ausnahmefolgen(10,0)

math

math

math

Nun wollen wir als nächstes den relativen Anteil an Ausnahmefolgen im

n-fachen Münzwurf bestimmen: Dazu müssen wir anz_ausnahmefolgen(n,a)

nur noch durch die Gesamtanzahl aller möglichen Versuchsfolgen, also 2n,

dividieren: Dies geschieht in der nachfolgenden Prozedur

rel_anteil_ausnahmefolgen:

rel_anteil_ausnahmefolgen:=proc(n,a)

  begin

    return(anz_ausnahmefolgen(n,a)/2^n)

  end_proc:

 

Für die obigen Beispiele erhalten wir dann für die relativen Anteile der

Ausnahmefolgen folgende Werte:

 

rel_anteil_ausnahmefolgen(5,1/4)

math

rel_anteil_ausnahmefolgen(10,1/4);

rel_anteil_ausnahmefolgen(10,1/8);

rel_anteil_ausnahmefolgen(10,0);

math

math

math

Besonders spannend, ist es nun, für ein fest vorgegebenes Intervall um den

Wert 1/2 (d.h. ein festes a) und größer werdende Versuchsanzahlen n die

Entwicklung des relativen Anteils von Ausnahmefolgen zu betrachten.

 

Auch hierzu schreiben wir wieder eine Prozedur, die im Wesentlichen auf die

Prozedur rel_anteil_ausnahmefolgen zurückgreift. Als Argumente übergeben

wir hier

(a) eine maximale Versuchsanzahl m; die Prozedur

      rel_anteil_ausnahmefolgen wird  für alle Versuchsanzahlen n kleiner

                oder gleich m aufgerufen werden.

          (b) die halbe Intervalllänge a (wie oben).

Die Prozedur gibt eine Grafik aus, die für jede Anzahl von

Versuchswiederholungen kleiner oder gleich m anzeigt, wie groß der relative

Anteil an Ausnahmefolgen der Länge n ist.

 

entwicklung:=proc(m,a)

  local i,L,j,g;

  begin

    for i from 1 to m do

      L[i]:=rel_anteil_ausnahmefolgen(i,a)

    end_for;

    g:=plot::Polygon2d([[i,L[i]] $ i=1..m],

       XAxisTitle="Anzahl der Würfe",

       XAxisTitleAlignment=Begin,

       XTicksNumber=None, XTicksAt=[5*i $ i=1..m/5],

       XTicksLabelStyle=Vertical,

       YAxisTitle="",

       YTicksNumber=None,YTicksAt=[j/5 $ j=0..5],

       Header="

       Aufgetragen ist hier der relative Anteil von

       Versuchsfolgen im n-fachen Münzwurf, bei denen

       die relative Häufigkeit von Wappen außerhalb des

       Intervalls ".expr2text([1/2-a,1/2+a])." liegt, gegen n.");

    plot(plot::Canvas(g, Height=120, Width=200));

  end_proc:

 

Betrachten wir nun einmal für verschiedene Werte von a, d.h. für

verschiedene Intervalllängen um den Wert 1/2, die Entwicklung des relativen

Anteils von Ausnahmefolgen:

 

entwicklung(100,1/4)

MuPAD graphics

Hier erkennt man deutlich, dass der Anteil der Ausnahmefolgen mit

wachsender Versuchsanzahl sehr schnell abnimmt (auch wenn er

zwischendurch immer wieder kurz ansteigt - man erkläre sich dieses

Phänomen!!). Das heißt im Umkehrschluss, dass der Anteil derjenigen

Versuchsfolgen, bei denen die relative Häufigkeit von Wappen im Intervall

[1/4,3/4] liegt, sehr schnell gegen 1 geht - dass also, je öfter man den

Münzwurf wiederholt, für "fast alle" möglichen Versuchsausgänge dieses

Mehrfachexperiments die relative Häufigkeit von Wappen höchstens um 1/4

von der Wahrscheinlichkeit 1/2, im einfachen Experiment Wappen zu werfen,

abweicht. Verkleinert man die Länge des erlaubten Intervalls, so ist diese

Entwicklung nach wie vor zu erkennen, sie verläuft aber nicht mehr ganz so

schnell:  

 

entwicklung(100,1/8)

MuPAD graphics

Für noch kleineres a erhält man beispielsweise folgendes Bild:

entwicklung(100,1/50)

MuPAD graphics

Ein Grenzübergang gegen 0 ist hier bei Versuchsanzahl 100 noch nicht

auszumachen. Erhöhen wir also einmal die maximal auszuwertende

Versuchsanzahl für den gleichen Wert von a:

 

entwicklung(400,1/50)

MuPAD graphics

Es lässt sich erahnen, dass man für eine derart kleine Intervalllänge um den

Wert 1/2 die Versuchsanzahl noch weiter erhöhen muss, um mit dem

relativen Anteil von Ausnahmefolgen nahe an 0 zu kommen. Da die Prozedur

entwicklung jedoch sehr rechenintensiv ist und wir die Tatsache, dass der

relative Anteil der Ausnahmefolgen - bis auf die Sprünge - tendenziell

abnimmt, aufgrund der bisherigen Beobachtungen nicht anzweifeln, schreiben

wir noch eine Prozedur entwicklung_grob, die im Wesentlichen das Gleiche

leistet wie die Prozedur entwicklung, in der jedoch nur diejenigen

Versuchsfolgen ausgewertet werden, in denen die Anzahl der Würfe ein

Vielfaches von einem weiteren Argument k ist:

   

entwicklung_grob:=proc(m,a,k)

  local i,L,j,h;

  begin

    for i from 1 to m/k do

      L[i]:=rel_anteil_ausnahmefolgen(k*i,a)

    end_for;

    h:=plot::Polygon2d([[k*i,L[i]] $ i=1..m/k],

       XAxisTitle="Anzahl der Würfe",

       XAxisTitleAlignment=Begin,

       XTicksNumber=None,XTicksAt=[k*i $ i=1..m/k],

       XTicksLabelStyle=Vertical,

       YAxisTitle="",

       YTicksNumber=None,

       YTicksAt=[j/5 $ j=0..5],

       Header="

       Aufgetragen ist hier der relative Anteil von

       Versuchsfolgen im n-fachen Münzwurf, bei denen

       die relative Häufigkeit von Wappen außerhalb des

       Intervalls ".expr2text([1/2-a,1/2+a])." liegt, gegen n.");

    plot(plot::Canvas(h, Height=120, Width=200));

  end_proc:

 

In 10er-Schritten sieht die Grafik für a=1/50 und maximale Versuchsanzahl von

800 dann wie folgt aus: 

 

entwicklung_grob(800,1/50,10)

MuPAD graphics

Um den Grenzübergang gegen 0 noch besser zu erkennen, erhöhen wir die

maximale Versuchsanzahl und die Schrittweite noch weiter:

 

entwicklung_grob(2000,1/50,50)

MuPAD graphics

Aus den vorangegangenen Grafiken kann man sehr schön ablesen, dass

der relative Anteil von Ausnahmefolgen der Länge n für die von uns

gewählten Werte von a mit steigendem n (tendenziell, d.h. bis auf die

Sprünge) abnimmt, umgekehrt also der relative Anteil von

Versuchsfolgen, für die sich die relative Häufigkeit von Wappen in

einem 2a-Intervall um die Wahrscheinlichkeit 1/2 eines Wappenwurfes

befindet, immer mehr dem Wert 1 annähert. Und genau in diesem Sinne

ist die oben angegebene Folgerung zu verstehen: Dass sich, wie dort

formuliert, die relative Häufigkeit des Auftretens von Wappen mit

zunehmender Anzahl von Münzwürfen um den Wert 1/2 stabilisiert, heißt

nicht, dass für jede denkbare Folge von n Münzwürfen die relative Häufigkeit

von Wappen für große n sehr nahe bei 1/2 liegt, sondern nur, dass der Anteil

der Folgen, für die das nicht so ist, mit steigender Versuchsanzahl, bezogen

auf die Gesamtanzahl möglicher Versuchsfolgen, immer kleiner wird.

 

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Aufgaben:

1. Betrachten Sie die Grafik zu  entwicklung(100,0) und erklären Sie deren Verlauf. 

2. Schreiben Sie entsprechende Prozduren für den Wurf eines fairen Würfels und die  Ereignisse

(a) "Es fällt eine 1."

(b) "Es fällt eine gerade Zahl."

(c) "Es fällt mindestens eine 5."

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Anmerkungen:

1.  Für die wahrscheinlichkeitstheoretischen Grundlagen sei beispielweise auf das Buch "Einführung in

     die Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik" von Dehling, H. & Haupt, B., Springer-Verlag

     Berlin Heidelberg 2003, verwiesen.

 

2.  Weitere Anregungen zum Einsatz von MuPAD in der Lehre finden Sie auf unserem WebPortal

     MuPAD in Schule und Studium unter: http://schule.mupad.de bzw. http://studium.mupad.de.

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